|
|
Zinn begleitet in verarbeiteter Form die Menschheit schon seit einigen Jahrtausenden. Grabfunde in Ägypten lassen Schätzungen auf etwa 4000 v. Chr. zu, als schon Figuren und andere Gegenstände aus Zinn hergestellt und verwendet wurden.
Erste schriftliche Bekundungen erscheinen um 800 unserer Zeitrechnung. Bekannt ist u.a. die auf dem Konzil in Reims 809 erlassene Bestimmung, wonach Zinn zur Herstellung von religiösen Kultgegenständen - neben Silber und Gold - verwendet wird.
Nach 1200 findet Zinngeschirr zunehmend Eingang in den häuslichen Bereich. Es ersetzt dort Geräte und Gefäße aus Ton und Holz.
Kleine Werkstätten decken den regionalen Bedarf, einfache Werkzeuge und "primitive" Gießformen aus Sand, Gips oder Stein sind ausreichend für die Herstellung.
Ab etwa 1500 steigen die Ansprüche der Benutzer, aber auch die Fähigkeiten der Werkstätten. Aufwendigere, teurere aber auch dauerhaftere Formen aus Bronze und Gußeisen kommen zum Einsatz. Dazu bildeten sich Standesorganisationen der Zinngießer, die strenge Regeln zur Qualitätssicherung aufstellen und diese überwachen. Daher stammt die Übung, durch Bodenmarken den Hersteller nachzuweisen.
Die Arbeit mit mehrfach nutzbaren Gießformen bringt eine bescheidene Zeitersparnis, Zinngeschirr wird auch über den Preis populär. Das Vertrauen der Benutzer ist über Jahrhunderte gewachsen. Geschirr aus Zinn hat eine hohe Wertgeltung, es ist gern gezeigter Ausdruck für Wohlstand und Lebensart.Ab etwa 1720 beginnt die Herstellung von Porzellan auch in Europa. Auch Glas kann durch verbesserte Verfahren und erleichterte Transportwege verstärkt und überregional angeboten werden. Beide nehmen dem Zinngeschirr Marktanteile ab. Es wird modern, sich mit Glas und Porzellan zu umgeben. Dazu kommt, daß Zinn nach wie vor nur in handwerklicher Manier und in kleinen Stückzahlen herzustellen ist - es bleibt etwas "Besonderes".
Stile und Moden wechseln im 18. und 19. Jahrhundert - Zinn folgt den Epochen mehr oder weniger, es finden sich aber durchwegs Zeugnisse für seinen ununterbrochenen Gebrauch. Es findet Anwendung zu verschiedensten Zwecken im vorindustsriellen Bereich, zur Konservierung und im medizinischen Gebrauch, um nur wenige zu nennen.
Der Jugendstil bringt eine Hochblüte für Zinngegenstände im dekorativen Bereich. Erstmals erscheinen Gebrauchsgegestände technischer Art, z.B. elektrische Lampen, aus Zinn.
Altes und antikes Zinn zur Verdeutlichung seiner Entwicklung durch die letzten 700 Jahre findet sich fast nur noch in Museen und gelegentlich in privaten Sammlungen. Der Bestand im häuslichen Umfeld ist, wenigstens in Deutschland, sehr gering. Zwei jeweils gründliche "Buntmetall"-sammlungen zu den beiden Weltkriegen haben fast alles aufgesaugt. Was der Ablieferung entging, wurde schließlich Opfer der Fliegerbomben. Nicht erfasste und nicht zerstörte Bestände aus dem ländlichen Bereich wurden willkommene Startobjekte für den Antiquitätenhandel der Nachkriegszeit.
Es ist denkbar, daß die Wertschätzung alten Zinns der Auslöser war für die steigende Nachfrage nach Zinngeschirr und -dekorationen ab etwa 1950. Markt und Mode verlangten nach teilweise übertrieben "antiken" Formen und Oberflächen.
Geänderte Einrichtungswünsche haben die Nachfrage wieder auf traditionell und materialgerecht gestaltete und bearbeitete Gebrauchs- und Ziergegenstände aus Zinn ausgerichtet.
Zinn